Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.
Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.

Frühjahr 2018: Lesotho

Südafrika? Hatten wir schon... Lesotho noch nicht, also befassen wir uns hier nur mit dem kleinen Land im Land. Und mit dem Weg dorthin.

Take a drive on the wild side...

Dass "der Weg das Ziel ist" ist in etwa so abgedroschen wie der Spruch, dass "der Ball rund ist". Dennoch trifft das für die Anreise nach Lesotho zu. Wenn der Sani Pass, bzw. die Zufahrt von Südafrika kommend, nicht wäre, würden bestimmt weniger Menschen die Reise auf sich nehmen. Oder vielleicht doch mehr? Das, was wir erleben, schreckt vermutlich auch einige Leute ab.

 

Unser Navi sagt 1,5 Stunden für nichtmal 30 km voraus. Wir lächeln milde, danach benötigen wir satte 2 Stunden. 

 

Es beginnt recht entspannt, traumhafte Kulisse - fester Untergrund, da geht einem das Herz auf.

Die Entspannung weicht etwas, nun gibt es eigentlich keinen Untergrund mehr, die "Straße" gleicht einer Geröllhalde.

Und plötzlich fehlt das Auto unserer Freunde im Rückspiegel. Den Grund sehen wir nach einigen weiteren Höhenmetern. Kurz nicht aufgepasst, dass Ding liegt bewegungsunfähig im Graben. Wir überlegen, ob wir umdrehen, setzen unsere Hoffnung aber auf hilfsbereite Südafrikaner. Unsere Hoffnung wird nicht enttäuscht, ein Abschleppseil haben wir ohnehin nicht an Bord.

Die Piste wird nicht besser, dafür aber steiler. Und so kämpfen wir uns Meter für Meter nach oben. Auf dem Pass in fast 3.000 Metern Höhe dann die Grenze nach Lesotho. Ein paar Formulare ausgefüllt, einen kleinen Obulus entrichtet, die Einreise ist einfach und schnell. Nicht zu vergleichen mit der Anreise.

Die Belohnung für die etwas zähe Fahrt: der Blick von oben auf die Passstraße. Die Mühen haben sich gelohnt, die Landschaft ist überwältigend.

Und, so ganz nebenbei, haben wir die Ehre, erstmal ein paar kalte Bierchen und hernach leckeren Wein in der am höchsten gelegenen Kneipe von ganz Afrika genießen zu dürfen.

Die Nacht kommt, und damit die Kälte. Im Zimmer wird angeheizt, und im Bett finden wir eine Wärmflasche vor. Aushaltbar!

Noch vor dem Frühstück schauen wir uns die Umgebung mal etwas an, der Durst hat das am Vortag verhindert. Auf dem Pass, und auch bis ins Tal, sehen wir nur Hirten mit ihren Tieren.

Und überhaupt... Wer hat denn die Autobahn in dieses bettelarme Land gebaut? Wir freuen uns ja für die Menschen dort, die nun auch eine tolle Straße haben. So richtig ins Land passt sie aber nicht. Und so richtig gut ist sie auch nicht gemacht. Alle paar Meter stürzt irgendwas auf die Straße, weil man den Rand der Straße schlecht oder überhaupt nicht gesichert hat.

Es geht rauf und runter, rauf und runter. Im Rückblick tut es uns leid, dass wir die Pässe, die wir gefahren sind, nicht gezählt haben. Die Landschaft ist wunderschön, die Ortschaften halt so, wie sie in den armen Ländern Afrikas ausschauen.

 

Ein paar Impressionen...

Achtung, jetzt wird es pervers. Zumindest empfinden wir es so, als wir das Skigebiet auf unserer Strecke entdecken. Das passt nun überhaupt nicht. Ob hier überhaupt mal jemand aus Lesotho den Hang hinunter schwingt? Kaum vorstellbar. Als wir die südafrikanische Grenze überschreiten, sehen wir, dass das Skigebiet dort groß beworben wird. Wenigstens ein kleiner Trost, vielleicht bringt es ja wenigstens ein klein wenig Geld ins Land.

Eine kurze, interessante Reise durch ein kleines Land. Und eine supertolle Anreise! Uns hat das sehr gefallen, wir empfinden die Zeit als ein Highlight einer längeren Reise durch Südafrika. Vielleicht auch, weil wir Lesotho noch nie besucht haben. Etwas Sorgen machen uns Straßenbauarbeiten auf der südafrikanischen Seite. Dort, wo die Passstraße noch nicht so steil ist, sehen wir Betonpfeiler. Sollte die Passstraße tatsächlich nun auch zur Autobahn werden? Sie würde unendlich an Reiz verlieren. Wir sind froh, dass wir den Sani Pass noch auf die rustikale Art besuchen konnten.